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× 001  DENORMIERUNG

DIE BESTIMMENDE NORM
IERUNG GESCHLECHT
LICHER IDENTITÆT DURCH
DIE BINÆRE RE
DUKTION IST UNGUELTIG

NORM
IST
HUMUS

Die Normierung der Geschlechter hat in westlichen Gesellschaften die Funktion, den Binarismus aufrecht zu erhalten: Sie definiert den Unterschied zwischen Mann und Frau. Diese Unterscheidung ermöglicht eine soziale, physische und psychische Klassifizierung, einen Kolonialismus der Körper, zur Einordnung und Einschätzung der Menschheit.
Durch das inklusive Verhalten einer Norm, geht ihr ein exklusives voraus. Alles, was über die Norm hinaus geht, gilt als abnormal, nicht der Norm entsprechend. Um die Varianz der geschlechtlichen Möglichkeiten wahr zu nehmen, braucht es besagte Norm.
Die binäre Normierung agiert nicht als übergeordnete Begrifflichkeit, sondern als untergeordnete Basis. Die Norm ist Humus, der nicht in einem Nebeneinander, sondern einem durchmischten Ineinander besteht. Erst die Durchmischung und darin begründete Auflösung lässt eine Variabilität zu, aus der Neues und Wahrhaftiges entsteht. Das Individuum, das sich entgegen seines biologischen Geschlechts empfindet, ist nicht abnormal, sondern der Norm übergeordnet.

× 002  AUFLŒSUNG

OHNE BINARISMUS
IST DAS INDIVIDUUM FREI
IN DER WAHL
DES GESCHLECHTS
ES IST EIN
GESCHLECHTLOSER KŒRPER
IN DEN NEUES
EINGESCHRIEBEN WIRD

Das Individuum wird als hybrider Mensch geboren - es ist das Erzeugnis einer Zusammenkunft von weiblichen und männlichen Elementen - und trägt somit beide Geschlechter in sich. Die Medizin aber zerteilt es in ›Mann‹ oder ›Frau‹. Ist das Individuum weder das eine noch das andere - intersexuell - so wird es auf ein Geschlecht reduziert. Hermaphroditismus wird beseitigt, als widernatürlich angesehen und behoben. Der Säugling soll klassizifiert sein. Doch niemand hat das Recht, das Geschlecht eines anderen zu bestimmen, geschweige denn es zu formen!
Das Individuum begreift sich als ein geschlechtloses, um sich von der radikalen Klassifikation, ihrer Reduktion und Exklusivität zu emanzipieren. Von diesem selbstgeschaffenen und reflektierten Nullstand aus, kann es die Vielfalt einer Wahl, aus der universellen Möglichkeit der Sexualitäten, erfahren und diese in den eigenen Körper, in das kognitive Archiv integrieren.

× 003  UNENDLICHKEIT

DIE WAHL EINES NEUEN
AUS ALLEN ERLEB
BAREN GESCHLECHTERN
IST DURCH DIE
MIKROVARIABILITÆT IM
ZWISCHENRAUM DES
UNIVERSELLEN UNBEGRENZT

Durch die Durchmischung und Auflösung der binären Norm, entwächst ihr eine unendliche Vielfalt. Diese Vielfalt zeichnet sich durch die geringsten Nuancen in der Wahl der Gewichtung zwischen allen erdenklichen Geschlechtern aus.
Aus der gemeinsamen Indifferenz der geschlechtlosen Körper entsteht - durch die individuelle Wahl aus der universellen Mikrovariabilität - Differenz. Sich zu differenzieren bedeutet die Zusammensetzung der eigenen Mikrovariabilität als Ganzes zu erfassen und in sich und durch sein Gegenüber bestätigt zu bekommen. Differenzierung bedeutet die Erkenntnis und universelle Akzeptanz der Varianz, des Exotismus des Anderen.
Differenzierung ist kein negatives ›Sich–Abgrenzen–Von‹. Die negative Energie schürt in ihrem exklusiven Verhalten Hass. Hass aber ist in zwischenmenschlicher, geschlechtlicher Hinsicht unzulässig. Er richtet sich gegen jene, die das antiquierte, heteronormative und phallozentrische System als einzig Wahres, Unverrückbares verteidigen.

× 004  FLUIDITÆT

DAS GESCHLECHT IST EINE WANDELBARE VER
BINDUNG AUS DER VIEL
FALT DER MIKRO
VARIABILITÆT SIE IST ZU
GROSS UM SICH
EINMALIG FESTZULEGEN

Die Zuordnung & Einordnung in Erkennungssysteme, zur Reduktion von Komplexität, ist im gesellschaftlichen System tief verankert (ob durch Rassi­fi­zierung, Sexualisierung oder Kolonialisierung etc.). Die normierende Kate­go­risierung von Sexualität ist ein historisches Konstrukt der heterozentrischen und binären Geschlechterordnung, die auch auf Homo-, Bi-, Trans*sexuelle und weitere übertragen wurde; sie ist statisch. Hybrosexualität beruht auf der Fluidität des Geschlechts, seiner ständigen Möglichkeit des uneingeschränkten Wandels in Rückgriff auf das individuelle, eingeschriebene Archiv. Eine fixierte Geschlechtszuschreibung verhindert das gelöste Ausleben der unbeständigen Sexualität. Eine andauernde Zuordnung ist nie gegeben, da sich das Individuum zu jeder Millisekunde entscheiden kann die Variablen des eigenen Geschlechts - entsprechend seines Empfindens - neu zu justieren. Es ist die flexible Erkenntnis multiplen und wandelbaren Geschlechts.

× 005  SEXUALITÆT

DIE REDUKTION
DES SEXUELLEN ERLEBENS
AUF PENETRATION
IST HETEROHOMONORMATIV
WAS SEX IST
WO SEX ANFÆNGT
& ENDET IST
SELBSTBESTIMMUNG

Sex wurde durch die heterozentrische & phallozentrische Auffassung zu einem Idiom, das seine Erfüllung in der männlichen Penetration der Frau, zur Zeugung von Nachkommen erfuhr. Sex ist keine Voraussetzung mehr zur Zeugung von Nachkommen. Sex ist keine Reduktion auf Penetration, ob im hetero– oder homonormativen Kontext, ob vaginal, anal, oral.
Hybrosexualität empfindet Sex in einem universellen, experimentierfreudigen und transhumanen Kontext neu. Das sexuelle Erleben ist von antiquierten Vorstellungen losgelöst. Es beginnt in einem immer neuen Aushandeln und Erfahren der fluiden Möglichkeiten des universellen Zwischenraums. Es ist immer Novum!
Sex beginnt in einer Wahrnehmung, ob exterozeptisch oder interozeptisch; ob taktil, olfaktorisch, gustatorisch oder auditiv/visuell. Das Auslösen von elektrischen Schwingungen der Synapsen - die Übertragung von Erregung. Erregung gipfelt nicht im Orgasmus, der ein vorläufiges Ende des energetischen Austauschs bedeutet. Sex ist ein andauernder Austausch energetischer Schwingungen, zur Steigerung positiv universeller Wahrnehmung.

× 006  PERFORMANCE

PERFORMATIVES AUFTRETEN
UND AUFZEIGEN
GESCHLECHTLICHER VIELFALT ERSETZT GÆNGIGES
SUBVERSIVES VERHALTEN

EXOTISMUS
PROVOZIERT
DISKURS

Die gängige Praxis des subversiven Protests ist unwirksam. Die Adaption bestehender Attribute des hegemonialen Systems, ermöglicht in ihrer Neuformierung, Durchmischung und Neukodierung nur noch eine geringe Vielfalt performativen Ausdrucks. Dieses Verfahren ist zu einem modisch akzeptierten, populären Phänomen und somit antiquierten Bestandteil gesellschaftlicher Sichtbarkeit und Repräsentation geworden.
Will das Individuum in dieser, von aggressiver Kommunikationskultur geprägten Gesellschaft wirken, muss es sich in seiner Darstellung und seinem Habitus, in seinem Kommunikationsdesign noch bestimmender abheben und Zeichen setzen, um Aufsehen erregen und Diskurs anregen zu können.
Um die unerschöpfliche Wandelbarkeit des hybriden Körpers zu ermöglichen, befreit sich das Individuum zuerst von Attributen seines festgelegten Biogeschlechts und reduziert seinen Körper, sodass es Diversität in sich einschreiben kann. Dieser Zustand ist Nullstand, ist eigenmächtige Antisexualität: Das Individuum steht im Off der sexuell erfüllten Welt, ist an sich nichts und doch alles und betrachtet von seiner Warte aus das Treiben der Wechselwirkungen. Von diesem Nullstand aus kann es frei, eine seinem Gefühl entsprechende Variation der Variablen erkennen und sein Geschlecht konstruieren; aus seinem Selbst heraus transferieren.
Performance führt zu Diskurs, Diskurs zu Erkenntnis, Erkenntnis zu Eingliederung in ein neues, hybrosexuelles, universelles und damit grenzenloses System. Es ist an der Zeit, das neue Äon der universellen Akzeptanz individueller Sexualität zu beginnen!